



 |  | Die Medienwerkstatt Clipper wurde bekannt durch das erste Videomagazinen von und für junge Leute, die es in der Bundesrepublik gab. Im Laufe der Jahre stieß Clipper bundesweit über 25 analoge Projekte an, denen Clipper als Vorbild diente.
18 Jahre medienpädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Düsseldorf und Umgebung. Das sind 18 Jahre randvoll mit Praxis, mit ständig neuen TeilnehmerInnen, mit den unterschiedlichsten Zielgruppen, mit viel Spaß und Engagement. Aber auch mit vielen Unsicherheitsfaktoren, mit finanziellen Einschränkungen, mit sehr existentiellen Sorgen. Daran wird sich wahrscheinlich auch nie etwas ändern und doch sind die Macher von Clipper immer noch mit Engagement und neuen Ideen bei der Sache. Wie kann ein solches Projekt über einen so langen Zeitraum Bestand haben? Ein Blick zurück. Wir starteten in den späten 80er Jahren, als ein simpler Aufbau aus einer Kamera, einem portablen Rekorder und einem Monitor durchaus faszinierend war. Dieses „Guck mal, ich bin im Fernsehen“ war oft schon der Grundstein für potentielle TeilnehmerInnen, sich intensiver mit dem Medium Video auseinander zu setzen. Die nächsten Schritte hin zum ersten eigenen Beitrag waren Interviews, die mit Hingabe auf allen größeren Strassen Düsseldorfs geführt wurden. Die Themen waren meist absolut trivial, Fragen nach Liebeskummer oder auch danach, wie man/frau eine Flasche Bier ohne einen Öffner aufkriegt, wurden mit Moderationen oder auch kleinen Spielhandlungen zu kurzen Beiträgen montiert. Diesen Mut zum Banalen erkennen wir heute täglich in jedem Privatsender, doch damals war uns dies noch ein Indiz für jugendspezifische Sichtweisen und Themen. Daneben gab es aber auch schon mal kurze Experimental- und Spielfilme, speziell das Thema Musikvideo wurde von Düsseldorfer Nachwuchsbands immer wieder erprobt. Alles in allem ermunterten wir unsere TeilnehmerInnen, kurze Features über ihre eigenen Themen zu produzieren, oftmals fielen diese durchaus schräg und sarkastisch, auf jeden Fall aber immer sehr individuell aus. Vielfach sind diese kurzen Beiträge auch Versuche, andere Bildsprachen als die aus dem TV bekannten zu entwickeln. Alle diese Eigenschaften fanden sich in dem Begriff des „Authentischen“ wieder. Die 3-8 minütigen Beiträge wurden zu einem Master zusammengeschnitten und bis zu 200 mal kopiert. All das war dank der eingeschränkten Qualität von VHS nicht zuletzt ein logistisches Problem, um allzu häufiges Hin- und Herkopieren zu vermeiden.. Diese Videokopien wurden an Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Büchereien, etc. verteilt und dort kostenlos verliehen. Daneben wurden auch immer öffentliche Präsentationen veranstaltet, so dass diese Videos von 5000 bis 8000 Zuschauern gesehen wurden. Das war möglich, weil das Videomagazin Clipper in den Jahren 1992 bis 1995 ein Modellversuch des Kultusministeriums NRW, des Bundesbildungsministeriums und der Landesbildstelle Rheinland war. Clipper war in dieser Form ein Beispiel für erfolgreiche Medienarbeit mit Jugendlichen und so etablierten sich zahlreiche Projekte in anderen Städten, die sich dieses inzwischen erprobten Konzeptes bedienten. Die Besonderheit dieser Videomagazine war das Moment der Öffentlichkeit, das die TeilnehmerInnen von Anfang an zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit ihrem Thema und ihrem Beitrag zwang. Bis 1999 entstanden so 70 Ausgaben des Videomagazins Clipper, 7 Ausgaben pro Jahr. Die Kompetenzen der MitarbeiterInnen standen und stehen den TeilnehmerInnen selbstverständlich immer noch als Angebot zur Verfügung, die Mitarbeiter von Clipper müssen stets im Kopf haben, dass wir die Zielgruppe bei der Realisation ihres Films unterstützen und das es um die Umsetzung jugendlicher Ästhetik geht. So mussten und müssen wir auch schon mal „schlechte“ Videos ertragen, wenn die TeilnehmerInnen auf ihren Vorstellungen bestanden und bestehen. Daneben haben wir uns natürlich auch mit anderen Projektformen wie Videoaktionswochen und Workshops unsere (positiven) Erfahrungen gesammelt. Ende der 90er verzeichneten alle Projekte dieser Art einschneidende Veränderungen. Einerseits erlahmte das Interesse der TeilnehmerInnen an lokalen Themen. Andererseits wurde dank digitalem Video eine völlig neue Qualität der Videobilder bezahlbar. So etablierte sich eine völlig neue Zielgruppe: Diese TeilnehmerInnen hatten nur noch selten Interesse an einem spielerischen Umgang mit dem Medium Video, es handelte sich oft vielmehr um Jugendliche und junge Erwachsene, die sehr konkrete Vorstellungen von ihren Videoproduktionen hatten und haben. Einige hatten schon richtige Drehbücher erstellt, andere hatten sogar Spielfilmprojekte mit einer Länge von 60 Minuten oder mehr im Sinn. Sie alle suchten bei Clipper Beratung und konkrete Unterstützung, teilweise technischer Natur, teilweise formal oder inhaltlich. Sie alle erwarteten und erwarten ein Maximum an Professionalität für ihre Produktion. Mehr und mehr entwickelte sich Clipper zu einer Anlaufstelle für diejenigen, die Medien als ihr Berufsziel einschätzen. Dadurch lässt sich auch der sprunghafte Anstieg an Nachfragen nach Praktikumsplätzen erklären. So radikal mochten wir den Abschied von der erfolgreichen Form von Clipper als Videomagazin denn nun doch nicht vollziehen und boten eine Art „Übergangsregelung“ an, zwei Ausgaben Clipper wie gehabt, fünf Ausgaben als Veröffentlichung der Ergebnisse themenzentrierter Workshops. Doch wir hatten die Zeichen der Zeit richtig erkannt, die tradierte Form von Clipper hatte sich offensichtlich überlebt. Und so zogen wir dann Anfang 2000 den endgültigen Schlussstrich unter dieses Kapitel unserer medienpädagogischen Arbeit. Und jetzt? Neben der Unterstützung von Videoprojekten, die von den wechselnden TeilnehmerInnen an uns herangetragen werden, liegt das Schwergewicht unserer Arbeit auf der Planung und Durchführung von Workshops. Das Moment der Öffentlichkeit spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in unseren Überlegungen, jeder Workshop, jede Aktion wird mit einer möglichst großen öffentlichen Präsentation abgeschlossen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist sicherlich das Open-Air-Kurzfilmfestival, das wir 2002 erstmalig in dem ebenfalls zu dem Trägerverein Akki gehörenden Biergarten unter dem Titel „Filmzeit-Festival“ starteten und das am 16. Juni 2007 seine vierte Auflage erleben wird. Dies ist in etwa der Punkt, an dem wir mit dem Projekt Clipper heute stehen. Vom Videomagazin zur Medienwerkstatt, von spontanen Videodrehs zu aufwändigen Kurzspielfilmen. So veränderte sich auch das Profil der freien MitarbeiterInnen, die wir engagieren. Standen früher oftmals die pädagogischen Qualifikationen im Vordergrund, so arbeiten wir heute fast ausschließlich mit Medienprofis, die ihr Geld ansonsten bei Film- und TV-Produktionen verdienen und diese Exkursionen in die Medienpädagogik durchaus als spannende Erfahrung erleben. Inzwischen arbeiten die ersten AbsolventInnen von Medienausbildungen als freie MitarbeiterInnen bei uns, die schon als TeilnehmerInnen oder PraktikantInnen an Clipper-Aktionen teilgenommen haben. Die Aufgaben der festangestellten Mitarbeiter von Clipper liegen inzwischen eher in der Vermittlung zwischen Profis und TeilnehmerInnen. Dennoch bedeutet ein Arbeitsplatz wie dieser die Verpflichtung und auch die Chance, ständig Neues zu erlernen. Unser Ziel ist es, den TeilnehmerInnen an unseren Projekten die Möglichkeit zu bieten, verschiedene Medienberufe unter professioneller Anleitung unter möglichst realen Bedingungen praxisnah auszuprobieren. Deshalb folgen wir stets dem Prinzip der Arbeitsteilung und schaffen Bedingungen, die denen bei einer Fernseh- oder Filmproduktion möglichst ähnlich sind. Dabei verlieren wir natürlich nie unser Ziel aus den Augen, ein fehlerfreundliches und produktorientiertes Bildungs-Angebote zu realisieren. Einzig den finanziellen Aspekt einer solchen Produktion überlassen wir natürlich nicht den TeilnehmerInnen. Dieser Aspekt wird von uns, wenn dies gewünscht wird, als Planspiel thematisiert. Im Idealfall stände für jede erprobbare Berufsgruppe (z.B. Schauspielerei, Regie, Kamera, Licht, Ton, Schnitt, Produktionsleitung, Catering, etc.) ein professioneller Ansprechpartner zur Verfügung. Da dies im Regelfall nicht finanzierbar ist, führt die Entwicklung quasi zwangsläufig zu Kooperationen zwischen Einrichtungen mit sich ergänzenden Schwerpunkten. So kann den TeilnehmerInnen aus vorhandenen Ressourcen ein sehr breites Spektrum an Medien- und verwandten Berufsfeldern präsentiert werden. So kann z.B. eine Holzwerkstatt Requisiten und Bühnenteile bauen, eine Metallwerkstatt Zubehör für die Kamera wie Dollys und Ausleger fertigen, in einer Schneiderei können Kostüme hergestellt werden. Der Startschuss für solche Kooperationen erfolgte 2002 mit dem Spielfilmprojekt „El Dorado“, einer Kooperation von Clipper und der Jugendkunstschule Wanne-Eickel e.V. in der Trägerschaft der LKD – Landesarbeitsgemeinschaft Jugendkunstschulen und kulturpädagogische Dienste, finanziert vom Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW. Dieses Projekt gliederte sich in mehrere Teile, für deren Durchführung die Verantwortung bei jeweils einem der Kooperationspartner lag. Im ersten Schritt wurde unter Anleitung eines von Clipper engagierten Drehbuchautors, dessen Arbeiten in verschiedenen TV-Serien und Spielfilmen zu begutachten sind, mit sechs jugendlichen TeilnehmerInnen innerhalb von drei Wochen ein Drehbuch erarbeitet, darauf folgte ein Casting in Wanne-Eickel, an dem der junge Regisseur, die Produktionsleiterin, die Kameraleute sowie eine relativ große Anzahl von InteressentInnen für eine Rolle teilnahmen. Die Anleitung für Regie und SchauspielerInnen lag bei einer Regisseurin aus Duisburg. Nach dem Casting wurden Kostüme entworfen und genäht, ein Location-Scout suchte im ganzen Ruhrgebiet nach Drehorten, für die Genehmigungen eingeholt werden mussten. Erst dann wurden die eigentlichen Drehpläne erstellt. In der nächsten Phase ging es an die eigentlichen Dreharbeiten, Kamera und Licht wurden von zwei Kamerafrauen angeleitet, die Tonaufnahmen sowie die spätere Nachvertonung und Komposition der Filmmusik wurden von einem Profi der Jugendkunstschule Wanne-Eickel begleitet, Bildschnitt, Special-Effects, 2-D-Animationen und die Titelgestaltung wurde ebenfalls von jugendlichen TeilnehmerInnen bei Clipper in Düsseldorf realisiert. So entstand ein ca 40-minütiges Roadmovie, dessen öffentliche Aufführung in den Flottmann-Hallen in Wanne-Eickel von allen Beteiligten, deren Angehörigen und Freunden gebührend gefeiert wurde. 2003 fand dieses Konzept seine Fortführung in einer Kooperation zwischen Clipper und der Jugendkunstschule Alte Post in Neuss. 2007 realisieren wir dank einer Spende der Fa. Jagenberg ein solches Spielfilmprojekt in Krefeld. Wir arbeiten aber auch weiterhin mit Schulen und anderen Institutionen zusammen, wir experimentieren mit anderen Zielgruppen, z.B. über mehr als zwei Jahre mit jungen Roma im Rahmen eines EU-Projektes. Aber auch Workshops mit jüngeren TeilnehmerInnen gehören zum Repertoire, z.B. ein historischer Kinderkrimi in Kooperation mit dem Stadtmuseum Düsseldorf, bei dem der Einsatz des Mediums Video eher dem spielerischen Erlernen sowohl komplexer historischer Zusammenhänge, als auch dem Erfahren des alltäglichen Lebens in vorangegangenen Jahrhunderten diente. Wir arbeiten bedarfsorientiert, stehen unserer Zielgruppe weiterhin zur Verfügung, neben den großen und kleinen Workshops stehen wir Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Umsetzung ihrer Filmideen zur Seite. Auch mit alternativen Verbreitungsformen haben wir experimentiert, wir haben z.B. mit finanzieller Unterstützung des Fonds Soziokultur die Internetplattform www.clipstation.de eingerichtet und zwei Jahren mit dieser Form der Öffentlichkeit gearbeitet. Daneben haben wir uns natürlich auch dem direkteren Umfeld, den Stadtteilen Oberbilk und Flingern zugewandt. Bereits zum dritten Mal findet 2007 ein spannendes Stadtteilprojekt statt: Der Videokettenbrief. Über 200 verschiedene TeilnehmerInnen aus 20 verschiedene Gruppen aus den beiden Stadtteilen, die sich aus Schulen, JFE´s, OGATA, etc. rekrutieren machen mit. Die erste Gruppe dreht einen kurzen, ca zwei-minütigen Clip, von dem die letzten 15 Sekunden abgeschnitten werden. Diese 15 Sekunden werden der nächsten Gruppe präsentiert, die nun ihrerseits das Gesehene und Gehörte weiterspinnen muss. Die teilnehmerInnen sind zwischen sechs und achtzehn Jahren alt. Wir unterstützen die Gruppen mit Technik und einer Fachkraft. Nach drei Monaten endet das Projekt mit der Abschlusspräsentation in einem großen Kino. 2006 guckten sich immerhin 650 Personen diesen originellen Film an und erfuhren endlich, ob sie mit der Einschätzung des Gesehenen richtig lagen und was die nächste Gruppen aus dem eigenen Schluss gemacht hat. Ein Blick nach vorn. Auch wenn es inzwischen hin und wieder heißt, dass der Bedarf an qualifizierten MitarbeiterInnen im Medienbereich nun gedeckt sei, sehen wir die Zukunft von Clipper im Bereich der vorberuflichen Qualifizierung, der Orientierung von medieninteressierten Jugendlichen am Übergang Schule/Beruf. Projekte von Clipper sind Anlässe, die es Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen, verschiedenste Medienberufe in einem kulturpädagogischen Schonraum auszuprobieren. Dabei kann es natürlich keinesfalls unser Ziel sein, jeden und jede, die zu uns kommen, zu Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern zu machen. Ein ebenso richtiges Ergebnis einer Teilnahme bei Clipper kann die Erkenntnis sein, dass man/frau in einem anderen Beruf viel besser aufgehoben ist. Es erscheint absolut wichtig, den TeilnehmerInnen möglichst professionelle Standards zu bieten, das bedeutet möglichst professionelle Videotechnik und ständige Weiterqualifizierung der Mitarbeiter. Um diesen hochgesteckten Ansprüchen gerecht zu werden, sind verschiedene Zukunftsszenarien denkbar. Eine wichtige Rolle werden hierbei die Kooperationen mit anderen Einrichtungen, besondern im benachbarten Stadtteil Oberbilk, spielen. Das Potential solcher Zusammenarbeiten ist noch lange nicht ausgereizt. |